Alle bisherigen Objekte des Monats

  • "Erinnerungen an das gesellige Herborn, 1846/47"

    Dass die Herborner gerne feiern, ist kein Geheimnis – und offenbar war das auch schon früher so, wie das neue „Objekt des Monats“ offenbart: „Erinnerungen an das gesellige Herborn“ heißt das Büchlein mit Zeichnungen aus dem Jahre 1846/47. Es zeigt mehr als 50 Portraits von Männern, die in gewisser Weise wohl einen Freundeskreis bildeten. Sie trafen sich offenbar regelmäßig in geselliger Runde „im Saale des Herrn Bausch“, wie in dem Ausstellungsstück vermerkt ist.

    Es handelt sich um Peter Carl Bausch, der eine Gaststätte im Haus Hauptstr. 80 (ehem. Elektro-Beckfeld) betrieb, damals als `in der Neustadt gelegen´ bezeichnet. Um 1900 zog Bausch in die Hauptstr. 94,  wo später bis in die 1970er Jahre das Friseurgeschäft Kaiser zu finden war. Bausch war nicht nur Gastwirt, sondern auch Bäcker und Bierbrauer – und ein „Pionier“, der in Herborn das Exportbier einführte. Heute noch bekannt ist der „Bausch´sche... »Weiterlesen

  • "Tabaketiketten und Druckstöcke der Firma J. C. Weyell"

    Die vier Druckstöcke und das kleine Büchlein stammen aus dem Besitz des Tabakhändlers Jacob Christian Weyell. Ebenso wie sein Vater Johann Peter Weyell war Jacob Christian Angehöriger der Herborner Kaufmannschaft und hatte um 1817 seine Tabakfabrik gegründet, die er seinerzeit wahrscheinlich noch als Nebenbetrieb seiner Groß- und Einzelhandelsgeschäfte betrieb.

    Den Tabak bezog die Firma Weyell vor allem aus Rotterdam. Mit den Druckstöcken wurden quasi „Zertifikate“ hergestellt worden, die den Käufern die hohe Qualität und die Echtheit der Ware garantieren sollten. Die Inschrift lautet:

    Leider werden meine Zeichen und Wappen häufig nachgemacht. Um Irrthum zu verhüten und damit meine Abnehmer für die Folge nicht getäuscht werden können, werde ich den aus meiner Fabrik kommenden reinen und gesunden...

     »Weiterlesen

  • "Nicht "die menschliche Leidenschaft wecken""

    Mehr als 350 Jahre alt ist das neue „Objekt des Monats“: Die „Herborner Ausgabe“ der Luther-Bibel stammt aus dem Jahr 1666 und zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus, die durch die calvinistisch reformierte Prägung Herborns zu erklären sind. So ist ihr nicht nur der 1563 entstandene Heidelberger Katechismus beigefügt, sondern auch die „Psalmen Davids nach Französischer melodey und reimen art in Teutsche reimen verstendlich und deutlich gebracht Durch Ambrosius Lobwasser/D. Und hierüber bey einem jeden Psalmen seine zugehörige vier stimmen“.

    Calvin sah einzig die Psalmen als tauglich für den gottesdienstlichen Gebrauch an. Sie wurden gesungen, wobei es strikte Vorgaben für die Vertonung gab, die möglichst einfach und schlicht zu erfolgen hatte. Meist gab es nur zwei verschiedenen Notenwerte; Tanzrhythmen waren verboten wegen der Gefahr, `die menschliche Leidenschaft zu wecken. Außerdem enthält das Buch verschiedene Morgen- und Abendgebete sowie „Universaltafeln“ der „Reisen der... »Weiterlesen

  • "Mauskopf-Asche bei Augenleiden "

    Die Schlagklotzfalle stammt aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Da die Fallen nicht industriell gefertigt wurden, sondern überall in unterschiedlichen Ausführungen nach dem gleichen Prinzip gebaut wurden, dürfte eine nähere Bestimmung ohnehin kaum möglich sein.

    Die Schlagklotzfalle stammt aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Da die Fallen nicht industriell gefertigt wurden, sondern überall in unterschiedlichen Ausführungen nach dem gleichen Prinzip gebaut wurden, dürfte eine nähere Bestimmung ohnehin kaum möglich sein. Wenn die Maus mit ihrem Gewicht die durch ein Stöckchen gehaltene Arretierung löst, kommt der Klotz runter. Wegen des geringen Gewichts der Nager verlangt das Aufstellen der Falle einige... »Weiterlesen

  • "1066 Münzen und viele Rätsel"

    Eigentlich jeder Herborner hat schon einmal etwas vom legendären Schatzfund gehört. Das Schatzhaus mit dem „Geldschisser“ in der Fußgängerzone erinnert Besucher der Altstadt daran. Aber gesehen haben die wenigsten den Münzschatz. Ein Replikat im Stadtmuseum zeigt die Fundsituation des Schatzes. Die Vermutung, das Modell stamme vom Herbornseelbacher Theodor Claas, hat sich nicht bestätigt.

    Niemand weiß, wer die 1066 Münzen einst gesammelt und in einem hellgelben Tontopf vor fast 300 Jahren vergraben hat – wohl wegen der unruhigen Zeiten im Dreißigjährigen Krieg. Wahrscheinlich war es ein wohlhabender Kaufmann. Ob er und seine Angehörigen den Kriegswirren oder der Pest zum Opfer gefallen sind, lässt sich nicht mehr klären. Seine über mehrere Jahre gesammelten Ersparnisse jedenfalls hat Friedhelm Scholl am 31. Oktober 1984 entdeckt,... »Weiterlesen

  • "Hungerbrötchen"

    Am 5. April 1815 explodierte der Tambora im heutigen Indonesien regelrecht. Die Folgen für Mitteleuropa und Nordamerika waren verheerend.

    Der Vulkan war danach rund 1500 Meter niedriger, zurück blieb eine 1000 Meter tiefe und sechs Kilometer breite Caldera. Der Ausbruch hatte unschätzbare Mengen Asche und Staub in die Atmosphäre geschleudert, die das globale Klima langfristig veränderten. Vor allem Nordamerika und Europa waren betroffen. Es wurde über Monate nicht mehr richtig hell, und die Temperaturen sanken um durchschnittlich drei Grad. Dramatische Missernten waren die Folge.... »Weiterlesen

  • "Pyrographie von Schloss Herborn"

    Das Herborner Schloss ist auf vielen Bildern und Fotografien zu sehen. Eine eher ungewöhnliche Abbildungsweise hat der Künstler für dieses "Objekt des Monats" gewählt: Heinrich Bauer hat das repräsentative Gebäude vor mehr als 100 Jahren mittels Brandmalerei auf einer Holzplatte verewigt.

    Das überaus sorgfältig gearbeitete Bild war offenbar eine Auftragsarbeit. Dafür spricht die Aufschrift "unserem hochverehrten Lehrer, Herrn Carl Betz, zum freundlichen Andenken gewidmet. Seine dankbaren Schülerinnen" steht da zu lesen. Und die Angabe "Höchst a.M., Ostern 1913".

    Ins Herborner Stadtmuseum gelangte das Bild über die Urgroßenkelin des Pädagogen. Es sei Bestandteil des Nachlasses ihres Vaters gewesen. Sie berichtete auch, dass Carl...

     »Weiterlesen

  • "Kammerstück"

    Es hat nichts mit Musik zu tun, sondern besteht aus massivem Eisen, ist 32 Zentimeter lang und stammt aus der Zeit um 1500.

    Es handelt sich um den Vorläufer eines Hinterladers: Der Hohlraum im Kammerstück wurde mit Schwarzpulver gefüllt und eine Lunte durch das Zündloch geschoben. Mit Holzkeilen hinter dem Rohr befestigt ließ sich das Geschütz so mit den in mehreren Kammerstücken vorbereiteten Treibladungen schnell einige Male hintereinander abfeuern. Außerdem war es erheblich sicherer, das Kammerstück entfernt vom Pulvervorrat und dem Schlachtgeschehen vorzuladen.

    ...

     »Weiterlesen

  • "Kürass und Pallasch der Leibgarde Jérômes, König von Westphalen"

    Ein Brustpanzer und der schwere Reiter-Degen eines Kürassiers aus dem Gefolge Jérômes Bonapartes sind zwischen dem 26. Oktober und 06. November 1813 sind von ihrem Eigentümer in Herborn zurückgelassen worden

    Jérôme, der jüngere Bruder Napoléon Bonapartes und seit 1807 König des nach der Leipziger "Völkerschlacht" aufgelösten Königreichs Westphalen, musste in dieser Zeit vor dem russischen Heer aus seiner Hauptstadt Kassel fliehen. Auf dem Rückzug Richtung Rhein kam Jérômes mit seiner Leibgarde auch durch unsere Gegend. Ein Teil der Männer war in Herborn einquartiert. Bei der Leibgarde handelte es sich um junge Burschen aus Kassel, die von Heimweh... »Weiterlesen

  • "Haarbilder"

    Es wirkt aus heutiger Sicht etwas befremdlich, aus menschlichen Haaren kleine Kunstwerke zu formen. Im 19. Jahrhundert aber waren die sogenannten „Haarbilder“ ein weit verbreitetes Andenken.

    Ursprünglich aus England stammend, hat sich der Brauch, zu bestimmten Anlässen wie Konfirmation und Hochzeit aus den Haaren Erinnerungsstücke zu formen, über ganz Europa verbreitet. Gewöhnlich sind es florale Motive, die hinter Glas gerahmt an liebe Angehörige und ein wichtiges Ereignis erinnern. Man nimmt an, dass diese Tradition mit dem Aufkommen der Fotografie aus der Mode kam, zumal die Aufnahmen im Laufe der Zeit auch für die breite... »Weiterlesen

  • "Römhilder Kästchen"

    Diese Art von Kästchen wurde nach dem Ort Römhild im Landkreis Hildburghausen benannt. Im Umfeld des Schlosses Glücksburg hatten sich dort etliche Werkstätten angesiedelt, die diese Schatullen herstellten.

    Auf den ersten Blick wirken sie sehr wertvoll. Geht der Betrachter doch davon aus, dass sie aus Ebenholz und Elfenbein gefertigt sind; zwei exotischen, teuren Materialien. Bei genauerem Hinschauen stellt man jedoch fest, dass es sich um schwarz gestrichenes Holz und Alabaster handelt. Der Materialwert also weit geringer ist. Adel und reiche Bürger wussten jedoch die Handwerkskunst zu schätzen und nutzten die Schatullen für die Aufbewahrung von...

     »Weiterlesen

  • "Gedenktafel aus der "Totenkirche""

    Die halbierte Säule und die Holztafel sind Relikte aus der 1862 abgebrochenen sogenannten „Totenkirche“ am 1601 „in Gebrauch genommenen“ Alten Friedhof. Das in den Folgejahren erbaute Gotteshaus stand außerhalb der Stadtmauer neben dem heute als Leonhardsturm bezeichneten Stadttor, der Neuen Pforte. Teile der Mauer zum heutigen Stadtpark in diesem Bereich sind Reste der Totenkirche.

    Die Holztafel erinnert an den großen Stadtbrand vom 20. August 1626, dem neben 214 Häusern und dem Herborner Rathaus auch die Totenkirche zum Opfer fiel. 1633 begann man mit dem Wiederaufbau der Kirche, für den auch in den umliegenden Dörfern gesammelt wurde. 1641 war die neue Totenkirche fertig. Für den Unterhalt der Kirche wurde ein Fonds eingerichtet.

    1837 erwähnen die Quellen „Gebrechen“ an der Kirche, die dann zusehends verfällt. Ein... »Weiterlesen

  • "Elektrisiermaschine"

    Was mag das für ein Gerät sein? Eine blaue Glasscheibe, die man mittels Handkurbel in Rotation versetzen kann? Es handelt sich um eine Elektrisiermaschine: Wenn man die Kurbel dreht, reiben die beschichteten Lederkissen an der drehenden Glasscheibe und laden sich elektrisch auf. An den „Knöpfen“ oberhalb und unterhalb der Kurbel konnte man die Ladung direkt zu einem Experiment oder in einen Kondensator ableiten.

    Wie die Elektrisiermaschine ins Herborner Museum gelangte oder woher sie stammt, ist nicht bekannt. Vermutlich stammt sie aus dem Bestand der Hohe Schule und wurde wohl bis 1817 noch zu Unterrichtszwecken eingesetzt. Modelle mit Glasscheibe gibt es seit Mitte des 18. Jahrhunderts, frühere Modelle waren noch mit einer Glaskugel ausgestattet. Mitunter waren solche Geräte aber auch nicht zu Lehrzwecken, sondern schlicht zum Vergnügen eingesetzt... »Weiterlesen

  • "Einsatzgewichte"

    Was weißer Pfeffer und ein „Meerpferd“ mit Gewichten zu tun haben.

     

     

    Die Aufschrift „Nassauisches Medicinal Pfund“ des Gewichts in der Mitte des oberen Fotos verrät bereits einiges über den Bestimmungszweck des aus Messing gegossenen Objekts, das als Apothekergewicht im Herzogtum Nassau gedient hat. Es wiegt 351 Gramm und ist damit wohl am das Gewicht des Nürnberger Medizinal-Pfunds orientiert, das nach heutigen Maßstäben 357,66 Gramm schwer ist. Diesem Systems lag das Gewicht eines weißen Pfefferkorns zugrunde,... »Weiterlesen

  • "Ein Stück des Ballons „Ville de Paris“"

    Es ist eine fast schon filmreife Geschichte, von der in unserer Gegend fast jeder schon einmal etwas gehört hat: In Sinn erinnert der Straßenname "Zur Ballonbuche" noch heute an die Notlandung eines französischen Ballons am Mühlberg im Dezember 1870. Ein Stück der Ballonhülle existiert noch und zog im Dezember 2015 sogar das Interesse einer Gruppe Heimatfreunde aus Weibern in der Eifel auf sich.

    Mitten im Deutsch-Französischen Krieg war der Luftweg für das von deutschen Truppen eingekesselte Paris die einzige Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Während der 134 Tage währenden Belagerung sollen 67 Ballons aufgestiegen sein, darunter auch der 21 Meter hohe und 14 Meter breite namens "Ville de Paris", gefüllt mit hochexplosiven Leuchtgas, im Korb drei Mann Besatzung und vier jeweils rund 65 Kilogramm schwere Postsäcke sowie...

     »Weiterlesen

  • "Der Brunnenlöwe aus dem Tiergarten"

    Die leuchtend-frischen Farben der Figur lassen vermuten, dass es sich um eine Replik handeln könnte, aber tatsächlich ist es das Original. Bei dem Löwen, der den Brunnen auf dem Marktplatz krönt, handelt es sich um eine "Kopie". Und nicht nur der Löwe ist eine Nachbildung, sondern der ganze Brunnen.

    Momentan wieder österlich geschmückt, zieht der oft fälschlich auch als Bärenbrunnen bezeichnete Brunnen schräg vor dem historischen Rathaus die Blicke auf sich und gehört unverzichtbar zum Stadtbild. Aus heutiger Sicht zumindest: ab 1890 verlor der Brunnen an Bedeutung und man brach ihn in den folgenden Jahren ab. Das Kriegerdenkmal von 1872 stand bis dahin ein paar Meter südlich des Brunnens auf dem Marktplatz und wurde 1900 an den vormaligen... »Weiterlesen

  • "Distelkarde"

    Nein, dieses Objekt hat nichts mit Weihnachten zu tun – und es sind auch keine Zapfen, die an der Holzkonstruktion befestigt sind, sondern die getrockneten Fruchtstände der sogenannten Weberkarde.

    Deren Name weist bereits in die richtige Richtung: Dieses Werkzeug kam bei den Tuchmachern zum Einsatz, um Wollstoffe aufzurauen, flauschiger zu machen und damit sozusagen zu veredeln. Es handelt sich um eine sogenannte Distelkarde, die ob ihrer Bedeutung sogar im Zunftzeichen der Tuchmacher zu sehen ist. Um sie herzustellen, wurden die getrockneten Fruchtstände, deren sehr elastischen Dornen am Ende kleine Widerhaken tragen, der Länge nach... »Weiterlesen

  • "Totenmaske Prof. Schramm"

    Der reformierte Theologe lehrte an der Hohen Schule in Herborn, wo er als "väterlicher Freund und treuer Berater" hohes Ansehen bei den Studenten genoss. Es ist durchaus möglich, dass - wenn nicht seine Familie - die Studenten die Totenmaske nach seinem Tod am 20. Januar 1753 in Auftrag gegeben haben.

    Lange Jahre wurde die Totenmaske in der Bibliothek des Theologischen Seminars im Herborner Schloss aufbewahrt; zusammen mit einem kleinen Kissen, einem zusammengelegten Nachthemd und einer Nachtmütze des Gelehrten. Wahrscheinlich ist die Wachsmaske mit diesen Utensilien als Erinnerungsstück in der Wohnung der Familie zu sehen gewesen - ganz ähnlich zu denken wie bei einer zu dieser Zeit üblichen Aufbahrung eines Verstorbenen in den Privaträumen.... »Weiterlesen